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Ernährung allgemein
Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik in Aachen ermittelt in einer Studie mit Zahlen der DGE einen erheblichen Vitaminmangel in Deutschland
In den Supermärkten quellen die Obst und Gemüsetheken über, trotzdem herrscht in Deutschland Vitaminmangel. Besonders bei Folsäure, aber auch bei Pantothensäure, Vitamin D und Vitamin E sind die Mangelerscheinungen ausgeprägt, z.T. unterschiedlich je nach Alter und Geschlecht.
Das Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik hat in einer Arbeit mit Werten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) die Situation beleuchtet.

Risikogruppen für einen Mangel
Bei einer Anzahl von Personengruppen besteht das Risiko einer suboptimalen Vitaminversorgung. Dies hängt zum einen mit ihren Lebensgewohnheiten zusammen, denn beispielsweise führt Rauchen zu einem erhöhten Bedarf an Vitaminen. Auch eine Schwangerschaft führt zu einem veränderten Nährstoffbedarf. Zudem spielen die Speicherreserven des Körpers eine Rolle, da Personen mit einem geringen Speicher (zum Beispiel Kinder) bei Erkrankungen nicht genügend Reserven haben, um einen Mangel auszugleichen.


Risikogruppen für einen Vitaminmangel
Vitamin A: Kleinkinder, Alkoholiker, Leberkranke, Personen mit Malabsorptions-/Maldigestionssyndromen
Vitamin D: Senioren, Kleinkinder, Heimbewohner, Inhaftierte, Nachtarbeiter, dunkel pigmentierte Menschen in nördlichen Gegenden, Leberkranke, Personen mit Pankreas-/Gallenwegs-/Dünndarmerkrankungen, Verschleierte
Vitamin E: Frühgeborene und Neugeborene mit niedrigem Körpergewicht, Patienten mit gastrointestinalen Erkrankungen, Raucher, Personen mit starker oxidativer Belastung durch Umweltgifte bzw. physischem oder psychischem Stress
Vitamin K: Patienten mit gastrointestinalen Erkrankungen, Säuglinge
Thiamin: Alkoholiker, Schwangere, Hämodialysepatienten
Riboflavin: Dialysepatienten, Alkoholiker, Senioren, Menschen mit niedrigem Milch/-produktekonsum, Personen mit Magen/-Darmerkrankungen
Folsäure: Personen mit Darmerkrankungen, Alkoholiker, Leberzirrhotiker, Schwangere, Raucher, Dialysepatienten
Niacin: Dialysepatienten, Patienten mit chronischer Diarrhoe, Alkoholiker
Vitamin B6: Alkoholiker, Leberkranke, Personen mit Resorptionsstörungen, Raucher
Vitamin B12: Personen mit Magen-/Darmerkrankungen, Senioren, Veganer
Pantothensäure: Alkoholiker, Senioren, Diabetiker
Biotin Schwangere, Stillende, Sportler, Alkoholiker, Säuglinge, Hämodialysepatienten, Personen mit gastrointestinalen Erkrankungen
Vitamin C: Personen mit Magen-/Darmerkrankungen, Schwangere, Stillende, Personen mit Stress, Raucher, Alkoholiker, Diabetiker, Dialysepatienten, Senioren, Krebskranke


Auswirkungen von Medikamenten
Medikamente sind dazu da, Krankheiten des Menschen zu heilen oder zumindest die Symptome der Erkrankungen zu lindern. Viele Medikamente haben aber auch unerwünschte Wirkungen, die zu berücksichtigen sind. Durch das Eingreifen der Medikamente in verschiedene metabolische Vorgänge kommt es je nach Medikament auch zu einem Vitaminmangel, der durch das Medikament verursacht wird.

Medikamente, die den Vitaminstatus beeinflussen
Vitamin A: -
Vitamin D: Antikonvulsiva, Antiepileptika, Kontrazeptiva, Sedativa
Vitamin E: Laxantien
Vitamin K: Antibiotika, Antikoagulantien, Salicylaten, Antiepileptika, Tuberkulostatika, Codein, Paraffin
Thiamin Diuretika
Riboflavin: Antidepressiva, psychotrophe oder chemotherapeutische Medikamente
Vitamin B6: östrogenhaltige orale Kontrazeptiva, Isoniazid, D-Penicillamin, Antikonvulsiva, Tuberkulostatika, Kortikosteroide, Hydralazin, Cycloserin
Vitamin B12: Paraaminosalicylsäure, Colchizin, Neomycin, Biguanide (Metformin), Trifluoperazin (kann eventuell die Vitamin B12-Resorption reduzieren), H2-Blocker, orale Kontrazeptiva
Folsäure: Folsäureantagonisten (Methotrextat, Pyrimethamin, Triamteren, Trimethoprim), Sulfasalazin, Antikonvulsiva, orale Kontrazeptiva, Zytostatika, Sulfonamiden, Antiepileptika (Primidon, Diphenylhydantoin, Phenobarbital, Carbamazepin, Valproat)
Biotin: langfristige Antibiotikaeinnahme
Pantothensäure: -
Niacin: Zytostatika, Psychopharmaka, Tuberkulostatika, Antiepileptika, Analgetika, Antirheumatika, Isoniazid, L-Dopa, Carbidopa, Benserazid
Vitamin C: Barbiturate, Antibiotika, Acetylsalicylsäure, Kontrazeptiva





Die Situation in Deutschland
Auf die Frage, ob die in Deutschland vorherrschenden Ernährungsgewohnheiten zu einer Deckung des Vitaminbedarfs führen, gibt es widersprüchliche Angaben. Auf der einen Seite heißt es, dass eine ausreichende Versorgung bei der deutschen Bevölkerung gewährleistet sei. Dagegen heißt es an andere Stelle, dass Frauen die empfohlene Zufuhr in keiner Altersgruppe erreichen. Der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) veröffentlichte Ernährungsbericht 2000 beinhaltet unter anderem Daten über die mittlere tägliche Zufuhr an Vitaminen.
Diese Daten zeigen, dass die Vitaminversorgung der deutschen Bevölkerung in vielen Altersgruppen bei beiden Geschlechtern nicht optimal ist. Hervorzuheben ist hierbei insbesondere die Folsäureversorgung, die in keiner Altersgruppe auch nur annähernd ausreichend ist. Vor allem für Frauen ist dies ein Problem, da während einer Schwangerschaft schwere Schäden wie Defekte der DNA-Synthese am ungeborenen Leben auftreten können. Die zugrundeliegenden Referenzwerte gelten jedoch nur für gesunde Menschen und berücksichtigen keine Erkrankungen. Es stellt sich die Frage, wie sich die Vitaminversorgung darstellen würde, wenn der Mehrbedarf infolge von Erkrankungen berücksichtigt würde. Die Daten des Ernährungsberichts beziehen sich zudem nur auf Altersgruppen, die Versorgungslage von Schwangeren und Stillenden wird nicht erwähnt. Die Versorgung von schwangeren und stillenden Frauen dürfte unter Berücksichtigung des erhöhten Bedarfs schlechter sein.




Die Bedeutung der zusätzlichen Vitamin-Versorgung:
Der Einsatz von Vitamin-Supplementen kann aus zwei unterschiedlichen Gründen notwendig sein. Auf der einen Seite ist der Ausgleich eines vorhandenen Vitaminmangels möglich. Daneben gibt es aber auch eine therapeutische Einsatzmöglichkeit von Vitaminen. In diesem Fall werden mit Hilfe von Vitaminen pharmakologische Wirkungen erzielt. Beispielsweise können Pyridoxin, Cobalamin und andere Vitamine des B-Komplexes sowie Vitamin E und K die Therapie bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises ergänzen. Auch Vitamin C hat therapeutische Wirkungen im Bereich der Erkältungskrankheiten und kann die Symptome abschwächen sowie die Krankheitsdauer vermindern.





Fazit
Vitaminmangel ist auch in der heutigen Zeit in unserer industrialisierten Gesellschaft von Bedeutung. Trotz der jahreszeitunabhängigen Versorgung mit Lebensmitteln ist die Vitaminversorgung nicht immer optimal, wie der Ernährungsbericht 2000 zeigt. Der Problemschwerpunkt hat sich jedoch im Laufe der Zeit verändert. Die Ursachen für Vitaminmangel haben sich gewandelt. Die Lebensmittelauswahl ist heutzutage vielfältig und nicht von der Jahreszeit abhängig. Statt dessen sind vermehrt Erkrankungen und Medikamente sowie einseitige Ernährungsweisen für einen Mangel verantwortlich. Avitaminosen sind im Gegensatz zu früher selten geworden. Stattdessen gibt es häufiger einen latenten Mangel, der durch unspezifische Symptome meist nicht festgestellt wird. Aber auch ein solcher Mangel ist ein Problem, denn eine suboptimale Versorgung, auch wenn sie noch so gering ist, hat Auswirkungen auf den Menschen und seine Leistungsfähigkeit. Je nach Lebens- und Ernährungsgewohnheiten kann eine gezielte, individuelle Vitamingabe ratsam sein, um dem Körper die benötigten Nährstoffe in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen. Zu beachten bleibt jedoch die Gefahr einer unkontrollierten Zufuhr, die sich aus der übermäßigen Einnahme von Vitamin-Präparaten im Bereich der fettlöslichen Vitamine ergeben kann.
Quelle: Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik, Aachen, 8.10.02






geschrieben von Rössler/Müller/MH am 02.06.2005 um 16:11 Uhr.
 
 
 
 
 
 
© Walter Mühle, Böhl-Iggelheim